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„Belle Époque“: Das Dampfschiff „Deutschland”

Es muss schon eine besondere Zeitspanne sein, die stolz ihre Schönheit schon im Namen trägt: Die „Belle Époque“ um die Jahrhundertwende bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs rühmt sich neuer Stile in Kunst und Kultur, die lange Friedenszeit wurde weidlich für Angenehmes genutzt und auch in Mannheim galt die Periode als Blütezeit. Gefeierte Künstlerinnen wie Sarah Bernhardt oder Isadora Duncan sorgten mit ihren Auftritten für Furore; Wasserturm, Rosengarten und Industriehafen wurden erbaut, die elektrische Straßenbahn nahm ihren Dienst auf und luxuriöse Warenhäuser versorgten das modebewusste Bürgertum. Das Frauenbild schwankte zwischen sittsamer Ehefrau und verruchter „Femme fatale“. Die Ausstellung „Belle Époque“ in den Reiss-Engelhorn-Museen fängt diese Aufbruchstimmung ein: Gemälde, Fotografien, Kunstgewerbe, Möbel, ein Benz-Mobil und Kostüme verbinden sich zum Kaleidoskop einer atemberaubenden Epoche. Ganz neu ist hier nun auch ein Glanzstück zu bewundern: ein Modell des Dampfschiffs „Deutschland“ im Maßstab 1:100. Das Original lief 1900 vom Stapel und absolvierte die Überfahrt von Hamburg nach New York in neuer Rekordzeit. Seine kleine Nachbildung geht jetzt frisch restauriert im Museum Zeughaus vor Anker. Rund 200 Arbeitsstunden haben die Restauratorinnen Gisela Gulbins und Isabel Luft investiert, um das Schiff wieder flottzumachen, das in den 1930er Jahren im Auftrag der Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG) gefertigt und zu Werbezwecken nach Mannheim geschickt wurde. In der Ausstellung „Museum Zeughaus – Meisterstücke aus den Sammlungen“ illustriert es eindrucksvoll den Boom der Schifffahrt an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Millionen Europäer verließen damals ihre Heimat, um ihr Glück im fernen Amerika zu suchen. Mannheim mit seinen Flüssen und einem ausgebauten Schienennetz wurde zu einem Zentrum des Auswanderungsverkehrs. Deutlich luxuriöser als die Auswanderer auf den Zwischendecks reiste das betuchte Bürgertum, das auf Ozeanriesen wie der „Deutschland“ auf Vergnügungskreuzfahrt ging.

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