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Ausstellungen

Schmetterling erbeutet – Parastou Forouhar

In einer Großen Sonderausstellung feierte das Badische Landesmuseum die „Göttinnen des Jugendstils“. Zwar lässt sich seit Herbst nur noch digital durch die Schau wandeln, doch in einer Studioausstellung wird das Thema fortgesetzt: Die international gefeierte Künstlerin und Aktivistin Parastou Forouhar (geb. 1962) nimmt das systematische Ornament in den Blick und hinterfragt seine Aussagekraft. Zum ausgehenden 19. Jahrhundert verabschiedet die künstlerische Avantgarde den strengen Historismus. Charakteristisch für den Jugendstil wird das Ornament, als inspirierendes Vorbild dient die Kunst des „Orients“. In Zeichnungen, Fotografien, computeranimierten Bildsequenzen und Objektinstallationen zitiert Forouhar nun die kulturellen Stereotype und durchbricht ihre falsche Lesbarkeit. Durch eine geringe Abweichung von der Norm spürt sie der fatalen Schönheit des Ornaments nach: einerseits Mysterium durch Gleichklang, andererseits Raster und Ordnung als Ausdruck von weltanschaulicher Gewalt. Mit seiner Dynamik zwischen Form und Inhalt, reiner Ordnung und Symbol kaschiert das Ornament die Sprache der Gewalt, der Brutalität und Unterdrückung, derer sich totalitäre Regime bedienen. Zum Ornament verfremdete Genitalien oder Stoß- und Stichwaffen aller Art verweisen auf ein Strickmuster männlicher Gewalt. Ob wabenartig umrandet oder zu neuen Musterfolgen geordnet: Die Motive führen die Bandbreite einer im Namen des Islam geführten Diktatur vor Augen, die Andersdenkende nicht duldet – die Gleichförmigkeit ihrer Struktur lässt der Individualität keinen Raum…

 

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