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Ausstellungen

Thomas Scheibitz – Masterplan\kino

Eröffnung: Fr, 18.05., 18 Uhr, bis 12.08.,  Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen

Klare Farben, klare Formen und Konturen werden in den Werken von Thomas Scheibitz immer wieder gekonnt ausbalanciert von Grautönen und malerischen Details, Figuratives mischt sich mit Abstraktem. Was es im Werk des 1968 in Radeberg geborenen Künstlers und seiner neuen Ausstellung im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum ab Mitte Mai bis zum 12. August alles zu entdecken gibt und wie die Schau nach Ludwigshafen kam, berichtet der Kurator René Zechlin im Gespräch mit Delta im Quadrat. 

 

Delta im Quadrat: Herr Zechlin, stellen Sie doch den Künstler und die Ausstellung kurz vor!

René Zechlin: Thomas Scheibitz gehört zu den bedeutendsten Künstlern der deutschen Gegenwart. Seit seinem großen Auftritt im deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig im Jahr 2005 haben seine Arbeiten stetig an Aufmerksamkeit und Bedeutung gewonnen. Mit der Ausstellung „Masterplan\kino“ zeigen wir mehr als siebzig Arbeiten – damit ist die Präsentation eine der umfangreichsten, die Thomas Scheibitz in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Es werden großformatige Gemälde und Skulpturen zu sehen sein, anhand derer der Künstler das Verhältnis von Gegenstand und Abstraktion immer wieder neu befragt. 

DiQ: Wie ist die Vorgeschichte, die „Masterplan\kino“ überhaupt nach Ludwigshafen brachte? 

RZ: Das Wilhelm-Hack-Museum steht insbesondere für abstrakte Kunst des 20. Jahrhunderts. Zu Beginn meiner Tätigkeit stand für mich die Frage, welche künstlerischen Positionen heute für das Thema „Abstraktion“ wichtig sind. Daraus entstand die Idee und der Wunsch, eine Einzelausstellung mit Werken von Thomas Scheibitz in Ludwigshafen zu zeigen. Auch im Kunstmuseum Bonn bestand großes Interesse daran; so haben wir die neue Ausstellung schließlich gemeinsam konzipiert. Dabei sind mehr als die Hälfte der gezeigten Werke für die Ausstellungen neu entstanden. Nachdem die „Masterplan\kino“ in den vergangenen Monaten bereits in Bonn zu sehen war, freuen wir uns, sie nun in der Metropolregion präsentieren zu können.  

DiQ: Was hat es mit dem Titel auf sich?

RZ: Der Titel stammt von Thomas Scheibitz, der seine Bildtitel parallel zu den Werken generiert und dann wie einen Kommentar einem Werk zuweist. „Masterplan\kino“ verdichtet zwei wesentliche Aspekte im Werk von Scheibitz: Konzept und Bild. Einerseits gibt es das Bild, das Kino, bei dem die Kinoleinwand mit der Wand im Museum zu vergleichen wäre. Der Masterplan ist das Konzept, das dahinter steht. 

DiQ: Stichwort Kino – das sind ja Bilder, die Geschichten erzählen. Ist es auch bei Scheibitz’ Bildern so, dass sie eine definierte Geschichte abbilden? Oder liegt es in der individuellen Fantasie des einzelnen Betrachters, sich eine Geschichte zum Bild auszumalen?

RZ: Nein, die Bilder stellen keine definierte Geschichte dar. In einem ständigen Prozess der „Verkürzung, Vereinfachung und Verdeutlichung“ verändert er vielmehr Versatzstücke der Alltagskultur und setzt sie wieder zusammen. Er entwickelt damit eine Art „Bildsprache der gesehenen, verständlichen und unverständlichen Welt“. Dabei gibt es Anteile, die man erkennt und für die man bereits Worte hat – ein Buchstabe, ein Apfel oder Ähnliches – und Anteile, für die man erst Worte finden muss. 

DiQ: Immer wieder kommen dem Betrachter einzelne Bildelemente überraschend vertraut vor. Sind das einfach nur oft gesehene Stilelemente, die vom Künstler genutzt werden, oder spielt Scheibitz tatsächlich mit Zitaten und Verfremdungen bekannter Kunstmotive?

RZ: Auch wenn Scheibitz tatsächlich manchmal Details aus der Kunstgeschichte zitiert, sind es wohl eher die Verfremdungen von alltäglichen Objekten und Motiven, die uns bekannt vorkommen. Diese Form der Verfremdung und Abstrahierung kennen wir aus Comics und der Symbolsprache in Werbung und Marketing. Es ist vielleicht wie eine Sprache, die wir bereits gehört, aber nie erlernt haben. Es erscheint neu und vertraut zugleich. 

DiQ: Zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion springt Scheibitz virtuos hin und her. Auch mag er sich nicht festlegen auf entweder Malerei oder Skulptur, sondern drückt sich in beiden Spielarten aus. Ist das stellvertretend für seine künstlerische Vielseitigkeit? 

RZ: Ja, das Spiel mit den Polen Malerei und Skulptur ist in Scheibitz’ Schaffen zentral. An Architekturen, Buchstaben, Spielkarten, Häuser, Vögel und Landschaften angelehnte Formen werden von ihren Vorbildern gelöst und bekommen ein Eigenleben; sie können zu Skulpturen werden oder den Weg zurück ins Bild finden. Damit hat Scheibitz eine eigene, dynamische Form der Abstraktion entwickelt. 

DiQ: Über welchen Zeitraum entstanden die Werke? Ist im zeitlichen Verlauf eine Entwicklungslinie zu sehen?

RZ: Jedes einzelne Werk von Thomas Scheibitz entsteht bereits in einem mehrere Monate dauernden Prozess. Immer wieder werden die Kompositionen umgearbeitet. Der Großteil der Arbeiten ist 2017 neu für die Ausstellung entstanden. Diesen Arbeiten stellen wir einzelne Werke aus den Jahren 1995 bis 2016 gegenüber. Durch diesen Dialog sollen Entwicklungen und Neuansätze, aber auch die Kontinuitäten in Scheibitz’ Werk sichtbar werden. 

DiQ: Bis Ende April hängt die Schau noch in Bonn, nur knapp drei Wochen später, am Fr, 18.05. um 18 Uhr, soll schon die Eröffnung in Ludwigshafen sein – Sie haben vermutlich schon ein genaues Konzept davon, wie die fertige Ausstellung in den Räumen des Wilhelm-Hack-Museums aussehen soll, oder? 

RZ: Das erfordert im Vorfeld natürlich viel Vorbereitung und genaue Planung. Die Architektur der Wände steht fest und ist größtenteils bereits gebaut. Auch gibt es einen ersten Plan für die Hängung. Thomas Scheibitz behält sich aber Änderungen vor. 

DiQ: Was hat das Rahmenprogramm an Besonderheiten zu bieten?

RZ: Thomas Scheibitz kommt nochmals nach Ludwigshafen, um in einem Künstlergespräch persönliche Einblicke in die Ausstellung zu geben. Das ist sicher eine gute Gelegenheit, die Persönlichkeit hinter den Werken kennenzulernen. Auch hat Thomas Scheibitz eine subjektive Auswahl aus der Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums getroffen, die wir parallel zur Ausstellung im Sammlungsbereich zeigen. Einen lockeren Zugang zu „Masterplan\kino“  bieten wir mit der ART Lounge am 21. Juni an: Dort wird es Kurzführungen, Cocktails und Lounge-Musik geben. 

DiQ: Zum Schluss: Welches Ausstellungsstück ist denn Ihr persönlicher Favorit – und warum? 

RZ: Oh, das ist schwierig zu entscheiden. Nach so einer langen Vorbereitungszeit habe ich mich so in die Bilder „hineingesehen“, dass ich mich da nicht für einen Favoriten entscheiden kann. Es gibt allerdings ein Werk – „Spiegelwolke“ –, das in Bonn nicht zu sehen war und das ich noch für die Ausstellung in Ludwigshafen haben wollte. Es ist mehr eine Auseinandersetzung mit dem Ornament und weicht von manchen Bildprinzipien bei Thomas Scheibitz etwas ab. 

 


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