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Bühne

25 Jahre Theater Oliv: Raum für Experimente und Begegnungen

25 Jahre Theater Oliv – das bedeutet ein Vierteljahrhundert voller Experimente, ungewöhnlicher Formate und unmittelbarer Begegnungen. Im Gewölbekeller am Alten Meßplatz verbindet das freie Theater Schauspiel mit Musik, bildender Kunst und partizipativen Formaten und schafft dabei einen Raum für gesellschaftlich relevante Themen in Mannheim. Im Gespräch mit „Delta im Quadrat“ blickt Angelika Baumgartner vom künstlerischen Leitungsteam auf die Entwicklung des Theaters zurück und gibt einen Ausblick auf die Jubiläumsspielzeit.

Delta im Quadrat, Natascha Zahn: 25 Jahre Theater Oliv – was macht das Theater bis heute so besonders innerhalb der Mannheimer Kulturlandschaft?

Angelika Baumgartner: Das Theater zeichnet sich durch Spielfreude, Publikumsnähe, gesellschaftsrelevante Themen und genreübergreifende Projekte aus. Das Theater Oliv ist eine feste Institution der Mannheimer Kulturszene. In unserem kleinen Gewölbekeller begegnen sich Kunstschaffende und Publikum besonders unmittelbar. Durch Projekte an ungewöhnlichen Orten, Gastspiele, Veranstaltungen ohne Eintritt und die Teilnahme am Kulturparkett möchten wir Kultur für alle zugänglich machen.

DiQ: Wie hat sich das Theater in den vergangenen 25 Jahren künstlerisch und beim Publikum entwickelt?

AB: Anfangs lag der Schwerpunkt auf Sprechtheater, ergänzt durch musikalische Programme. Schon damals ging es um gesellschaftlich relevante Themen wie Demokratie, Ausgrenzung und Armut. Mit der Zeit wurden Rechercheprojekte und Eigenproduktionen wichtiger. Wir haben immer wieder neue Formate entwickelt – von den „Weinstücken“ über „Drama daheim!“ bis zu heutigen spartenübergreifenden Projekten. Heute verbinden Projekte wie „Revontulet“ und „Rohstoff“ verschiedene Sparten und eröffnen neue Perspektiven. Unser Publikum ist vielfältiger geworden: Wir machen inzwischen auch Angebote für Familien, Schulklassen und junges Publikum. Zudem gibt es kleinere Live-Konzerte.

DiQ: Gerade kleinere Theater leben von Nähe und Atmosphäre. Was erleben Besucherinnen und Besucher bei Ihnen?

AB: Unsere Spielstätte ist ein Gewölbekeller unter einem blauen Wohnhaus in der Mannheimer Neckarstadt. Schon der Weg über die Kellertreppe ist besonders. Unten empfängt ein gemütliches Foyer mit Bar die Besucherinnen und Besucher – unser „Wohnzimmer Mannheims“. Der rund 44 Quadratmeter große Spielraum lässt sich je nach Produktion immer wieder neu gestalten. Auch nach den Veranstaltungen gibt es häufig persönliche Gespräche mit dem künstlerischen Team.

DiQ: Was erwartet das Publikum in der Jubiläumsspielzeit ab September?

AB: Ein Herzensprojekt ist die Premiere „Be Natural! Die vergessene Filmpionierin“ am 28. November. Wir erzählen in Stationen das Leben von Alice Guy-Blaché, die als erste Frau fiktionale Filme realisierte und in der Filmgeschichte kaum erwähnt wird. Damit möchten wir auch darauf aufmerksam machen, dass Errungenschaften von Frauen noch immer weniger sichtbar sind. Künstlerisch verbinden wir Stummfilm mit klassischem Schauspiel, Projektionen und Schattenspiel. Es ist eine neue Arbeitsweise für das Theater Oliv und damit auch ein Experiment. Zum Jubiläumsprogramm gehören außerdem Fotoausstellungen, „FreiReden“, die Fortsetzung von „Rohstoff“, die Wiederaufnahme von „Frohes Schaffen“, ein neues Figurentheaterprojekt, „Hinterm Vorhang!“ und im Mai 2027 die Jubiläumsfeier.

DiQ: Welche Rolle spielen regionale Kulturorte wie das Theater Oliv heute für Mannheim und die Metropolregion?

AB: Diese Orte sind wichtige Treffpunkte und oft zugänglicher als große Kulturinstitutionen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung, stärken Vielfalt und Demokratie und eröffnen Räume für neue Denkweisen. Gerade angesichts aktueller Sparmaßnahmen ist es wichtig, diese Kulturorte zu erhalten. Sie bieten ein niederschwelliges, vielseitiges Programm und Nischen für alle, die Nischen suchen – und das sind nicht wenige!


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