NAVIGATION

Zurück

Bühne

Ein Geheimtipp in Schwetzingen: das Theater am Puls

Komödien, Kinderstücke, Klassiker der Theaterliteratur, aber auch mal Improtheater, Musical oder Operette – das Schwetzinger „Theater am Puls“ ist zwar ein eher kleiner Player in der regionalen Theaterszene, aber in Sachen Auswahl steht es hinter den Großen kaum zurück. Und das Ambiente spricht sowieso für sich! Was es mit dem Kleinod auf sich hat, erzählt uns Joerg Mohr, die „Stimme“ des tap, im Interview.

Delta im Quadrat: Hallo Joerg! Du bist Theaterleiter am „Theater am Puls“ in Schwetzingen – wie ist es dazu gekommen und worin bestehen momentan deine Aufgaben?

Joerg Mohr: Erst einmal Hallo! 2006 war das „Theater am Puls“ der logische und konsequente Schritt zu unserem Heimathafen nach einem langen Weg ohne feste Bleibe. Ein Schritt, den wir bisher nicht bereut haben! Und mit der Stadt Schwetzingen haben wir einen zuverlässigen Unterstützer und hilfsbereiten Kooperationspartner gefunden. Sicherlich sind meine Aufgaben vielfältiger als die eines Intendanten an einem Stadttheater. Da wir keine Angestellten haben, hängt viel Arbeit an mir, sei es der mediale Auftritt, die Verwaltung oder nicht zuletzt der Bühnenbau…

DiQ: Die Geschichte des Theaters ist ja kaum von deiner eigenen zu trennen, oder? Erzähl doch mal, wie Schwetzingen zu seinem Theater kam und welche Rolle du dabei spielst…

JM: Nun ja, ich bin schon seit meinem 16. Lebensjahr dem Theater verfallen. 2005 haben wir begonnen, zweimal im Jahr eine Theaterreihe in Schwetzingen zu etablieren. Übrigens habe ich damals der alten Wollfabrik den Namen gegeben: Ursprünglich war es eine Strickfabrik. Der damalige OB, Herr Kappenstein, war sehr angetan von dem, was wir auf die Bühne brachten, und sorgte dafür, dass wir in Schwetzingen eine feste Bleibe bekamen, nämlich im alten Bassermannhaus – ehemals Konservenfabrik, dann Straßenbahndepot. Nach vielen Umbauten hob sich dann 2006 im Herbst zum ersten Mal der „Vorhang“.

DiQ: Ich stelle es mir nicht leicht vor, sich als kleines Theater in einer kleinen Stadt über Wasser zu halten, wenn drei Großstädte drumherum jedes ihr eigenes prominentes Haus bespielen. Wie schafft ihr das? Und was ist es, was euch so besonders macht?

JM: Zum einen haben wir nur 90 Sitzplätze. Man könnte schon fast sagen, alle sitzen in der ersten Reihe! (lacht) Nein, im Ernst, wir bieten ein breites Programm, bei dem für jeden und jede etwas dabei ist, vom Klassiker bis hin zur Familienproduktion. Wir verstehen uns als kleines Stadttheater der Stadt Schwetzingen. Wir haben sogar eine Theaterpädagogenstelle, die von der Stadt eingerichtet wurde in Kooperation mit unserem Theater. Wir machen professionelles Theater auf einem hohen Niveau. Kurz, ich denke, wir punkten durch Qualität und einen abwechslungsreichen Spielplan sowie durch ein tolles Ensemble.

DiQ: Wie habt ihr die letzten Jahre gemeistert und wie schaut ihr in die Zukunft?

JM: Wie alle Kultureinrichtungen hat uns die Corona-Krise stark zugesetzt, nicht nur finanziell, sondern auch mental. Nun stehen wir vor der großen Aufgabe, unser Publikum wieder zurückzuholen – was in der letzten Spielzeit schon ganz gut funktioniert hat. So sind wir noch nicht ganz wieder auf dem Stand wie vor der Pandemie, aber doch fast. Ich glaube, Theater wird nicht aussterben. Mit der Digitalisierung und den virtuellen Räumen wird Theater immer wichtiger. So wie es den Städter immer in den Wald und die Natur zieht, so wird es trotz der ganzen digitalen Welt, in der wir leben, die Menschen immer wieder ins analoge Theater ziehen. Wir brauchen den direkten Austausch mit Menschen. Von daher bin ich da sehr zuversichtlich!

DiQ: Stichwort Zukunft: Wenn diese Ausgabe von „Delta im Quadrat“ erscheint, wird die erste Premiere der neuen Spielzeit gerade eben vorbei sein. Was kommt im Oktober und den folgenden Monaten Neues auf die Bühne? Und was bleibt an Altbewährtem im Repertoire?

JM: Ja, wenn „Der Tod eines Handlungsreisenden“ Ende September seine Premiere hatte, warten in diesem Quartal noch zwei weitere Premieren auf unsere Zuschauer. Zum einen am 20. Oktober das Schauspiel „Nichts, was uns passiert!“ in einer Fassung des Thalia Theaters, in dem wir thematisieren, welchen Einfluss eine Vergewaltigung auf Opfer, auf den vermeidlichen Täter und das Umfeld hat und wie eine Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht. Am 10. November feiern wir die Premiere von „Pünktchen und Anton“, einem Theaterstück nach Erich Kästner. Die Antwort auf „was bleibt?“ ist sehr umfangreich – unter anderem unsere Komödien „Brigitte Bordeaux“, „Extrawurst“, „Wunderübung“, an Klassikern „Der Steppenwolf“ und „Die Leiden des Werther“. Das ist jedoch nur ein kleiner Teil. Ein Blick auf unser Gesamtprogramm lohnt sich sicherlich.

DiQ: Es gibt also auch dieses Jahr wieder ein Kinderstück?

JM: Ja, wie bereits erwähnt, haben wir „Pünktchen und Anton“ auf dem Spielplan stehen. Wir freuen uns, nach zehn Jahren diesen Klassiker von Erich Kästner wieder einmal auf unseren „Brettern“ zu haben. Dieses Buch inspiriert Kinder und Erwachsene gleichermaßen, sich für eine bessere Welt einzusetzen, in der Freundschaft und Zusammenhalt über gesellschaftliche Unterschiede hinweg siegen.

DiQ: Abgesehen natürlich vom Offensichtlichen, dem Theaterbesuch – wie kann man euch unterstützen, damit das Theater in Schwetzingen weiter erhalten bleibt?

JM: Zum einen haben wir einen Freundeskreis, dem man beitreten kann – der umfasst bereits über 230 Mitglieder und ist mit seinem Beitrag eine große Unterstützung. Zum anderen ist es wirklich schwer, unser Theater über die Grenzen von Schwetzingen hinweg bekannt zu machen. Die meisten, die einmal bei uns waren, kommen gerne immer wieder. Allerdings scheinen wir trotz 18-jährigem Bestehen ein Geheimtipp zu sein. Von daher freuen wir uns über jeden, der über uns spricht und uns hilft, das Theater bekannt zu machen – so wie ihr.

DiQ: Und wo finden Interessierte Infos zu den Stücken, zu Abos und zu allem weiteren, was man übers Theater am Puls wissen muss?

JM: Informationen zu unseren Stücken, Abos und alles Weitere finden sich auf unserer Webseite unter www.theater-am-puls.de online. Dort sind auch alle aktuellen Termine und Kontaktdaten zu finden. Wir freuen uns über jeden Besuch!

 

 

Kommentare


WERBUNG