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Bühne

Sprachlos – Provokateure – Salto Mortale – Influencer

Vier Schlagworte füllt die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit Leben, vier Konzerte prägen das Festival „Modern Times“ mit der Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Besetzungen schwanken zwischen mini und massiv, die stilistische Bandbreite reicht von Filmmusik über Schlager bis hin zu Sinfonik und Ballett. Und wenn man bedenkt, dass vor rund 100 Jahren ganz neue Formen der Technisierung, Elektrifizierung und Industrialisierung Faszination, aber auch Furcht und Schrecken ausübten, ganz ähnlich wie heute die Themen der Digitalisierung und Globalisierung, dann liegen die Parallelen auf der Hand. Und plötzlich sind die Werke, die in der Reihe gespielt werden, keine 100 Jahre alten Kompositionen mehr, sondern aktuelle Lebensrealität...

MODERN TIMES 1: SPRACHLOS

Als Charlie Chaplin seinen Stummfilm „City Lights“ („Lichter der Großstadt“) produzierte, etablierte sich bereits der Tonfilm und er war überzeugt, dass die Sprache den Untergang seiner pantomimischen Komik bringen würde. Was nicht jeder weiß: Chaplin agierte nicht nur unverwechselbar auf der Leinwand, sondern komponierte auch selbst. Die zauberhafte Filmmusik zu „City Lights“ macht die vordergründige Sprachlosigkeit der Tragikomödie aus dem Jahr 1931 absolut wieder wett. Zwar bleiben der Tramp und seine große Liebe, ein blindes Blumenmädchen, stumm, doch die Musik entwickelt mit feinem poetischem Gespür ihre erzählerische Kraft. Am Fr, 06.09. ab 19.30 Uhr untermalt die Staatsphilharmonie den Stummfilm live im Konzertsaal des Pfalzbaus – mit Schnäuzer, Melone und Taktstock!

MODERN TIMES 2: PROVOKATEURE

Als Arnold Schönberg 1918 seinen Verein für musikalische Privataufführungen gründete, hatte das vor allem einen Grund: Er hatte die Schnauze voll von verständnislosen Kritikern und von einem Musikleben, das in Selbstgefälligkeit und Routine zu versinken drohte. Euphorisch studierten die Schönberg-Schüler Werke ein, die sie ausschließlich vor Mitgliedern aufführten. Ein Orchester stand aus Platzgründen nicht zur Verfügung, dennoch wurden im Verein neue sinfonische Werke gespielt – und zwar in eigens für Kammermusikensembles entwickelten Bearbeitungen, zu denen Schönberg seine Schüler anregte. Diese Tradition griff der Dirigent Klaus Simon mit seiner 2007 veröffentlichten Bearbeitung von Mahlers Vierter auf. Auch in der Miniaturform verliert sie nicht an Kraft. Diese „Sinfonik für die Hosentasche“ für Sopran (Katharina Ruckgaber) und Kammerensemble wird am Mi, 11.09. ab 19.30 Uhr in der Friedenskirche Ludwigshafen aufgeführt.

MODERN TIMES 3: SALTO MORTALE

Auch in turbulenten Zeiten suchten die Menschen nach Zerstreuung und Amüsement. Ausgelassene Feierlust und die Maximierung des Vergnügens sind ebenfalls ein Resultat einer ins Wanken geratenen Weltordnung. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, die sprichwörtlichen Goldenen Zwanziger, brachten den Jazz und neue Tänze nach Deutschland: Boogie, Foxtrott, Shimmy. Zu den Entdeckungen der 1920er Jahre zählte auch der respektlose Umgang mit der Sprache. Die Poeten wollten lieber Texter sein und die Dramatiker Stückeschreiber, wie Brecht seinen Beruf nannte. Ein schnoddriger, dahingeworfener Ton kam auf. Aber auch die Sehnsucht nach einer heilen Welt klingt in den Schlagern der Twenties an. „Heut Abend lad ich mir die Liebe ein!“, sang man in Berlin, das 1920 mit über vier Millionen Einwohnern Weltstadt und neben London und New York die Metropole der Musikindustrie war – und eine Metropole der Varietés und Tanzlokale. Der unverwechselbare Sound der großen Tanzorchester lässt in der Traumwelt der großen Ufa-Schlager schwelgen: Von sentimental bis albern reichen die Liedtexte, die Rhythmen sind frech und schnell, der Stil durchweg gepflegt, wenn das Schellack-Orchester am So, 15.09. um 19 Uhr ins Mannheimer Capitol lädt, denn die Nacht ist nicht zum Schlafen da!

MODERN TIMES 4: INFLUENCER

Es ist gar keine leichte Aufgabe sich in unserer fragilen Gegenwart zurechtzufinden. Geschäftig bestreiten wir den Alltag und spüren doch, dass unsere Weltordnung dem Tempo nicht mehr standhält. Globalisierung und Ungleichheit, Terrorismus und Drohnenkrieg, Insektensterben und Erderwärmung... was wir erleben, ist kein kleines Zittern in der Entwicklung – wir stehen an einem Wendepunkt. Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten? Diese Frage stellen wir heute wie damals mit großer Unsicherheit. Entfesselung (Edgard Varèses „Amérique“), Groteske (Erik Saties „Parade“) und Nostalgie (Igor Strawinskys „Pulcinella“) sind bis heute archetypische Spielarten des Umbruchs. Durch die Digitalisierung sehen wir uns gegenwärtig erneut dem totalen Wandel ausgesetzt. Das urbane Tanzensemble Re:Soulution aus Mannheim wird mit seiner Performance zu Strawinskys Pulcinella am Fr, 20.09., 19.30 Uhr im Mannheimer Rosengarten auch auf tänzerischer Ebene die Parallele ins Jahr 2019 ziehen.

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Kommentar von toimurb |

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