Bühne
Tanz in Heidelberg – Nanine Linning
Die Sparte „Tanz“ am Theater Heidelberg wurde in den letzten Jahren von einem Namen ganz entscheidend geprägt: Die niederländische Tänzerin und Choreografin Nanine Linning leitete seit der Saison 2012/13 das Tanztheater und inszenierte Stücke mit ihrer eigenen „Dance Company Nanine Linning“ – mit großem Erfolg, wie die Kritiken und Zuschauerzahlen beweisen. Doch diese Spielzeit wird ihre letzte am Theater Heidelberg sein; die neue Produktion „Dusk“, die im November uraufgeführt wurde, ist zugleich der Abschluss einer Ära – zu sehen noch einmal am 06. und 21.12., je ab 19.30 Uhr. Die dritte Tanzbiennale im Februar und März versammelt noch einmal extra-viel Tanz an neun Tagen mit internationalen Gastspielen und Eigenproduktionen. Zuvor aber berichtet Nanine Linning uns im Interview noch ein wenig über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Delta im Quadrat: Frau Linning, wie sind Sie überhaupt zum Tanz gekommen? War das die Erfüllung eines Kindertraumes?
Nanine Linning: Als Kind war es schon immer meine Leidenschaft zu tanzen. Mit 14 habe ich dann gemerkt, dass ich nicht nur selbst tanzen, sondern auch choreografieren möchte.
DiQ: Frau Linning, was wir uns schon immer gefragt haben, ist, ob Sie sich zuerst eine Choreografie ausdenken, zu der dann komponiert wird. Oder steht erst der musikalische Beitrag fest und dann kommt die Choreografie?
NL: Ich beginne immer zuerst die Choreografien zu entwickeln und wähle dann die Musik dazu aus. Auf diese Weise bin ich frei in der Kreation und kann künstlerisch autonom bleiben.
DiQ: Welche Wege führten Sie nach Heidelberg?
NL: Nach sechs Jahren als Hauschoreografin am Scapino Ballet in Rotterdam und einer Zeit als freischaffende Choreografin in den Niederlanden bekam ich von Holger Schultze 2009 die Einladung, Tanzchefin am Theater Osnabrück zu werden. Mit ihm wechselte ich dann im Jahr 2012 nach Heidelberg.
DiQ: Können Sie sich noch daran erinnern, mit welchen Vorstellungen und Erwartungen Sie 2012 am Theater Heidelberg angefangen haben? Was davon hat sich erfüllt, was ist ganz anders gekommen als gedacht?
NL: Ich fand es sehr spannend, in einer Stadt anzufangen, wo es seit Jahren keine feste Tanzsparte am Stadttheater gab. Es stellte auf der einen Seite ein Risiko dar, auf der anderen Seite aber auch eine einmalige Möglichkeit, etwas Neues aufzubauen. Darüber hinaus ging es mir darum, eine Tanzvision für diese Stadt zu schaffen. Der Enthusiasmus und die Offenheit des Publikums für meine Arbeit hier haben meine Erwartungen bei weitem übertroffen.
DiQ: Wie haben Sie das Heidelberger Publikum erlebt? Wenn man sich die Besucherzahlen so anschaut, war es ja sehr offen gegenüber neuen Formen des Tanzes, die eher Bilder schaffen als eine Handlung erzählen...
NL: Ich liebe mein Heidelberger Publikum! Diese Stadt hat so viele unglaubliche Fans des Tanzes. Die Zuschauer haben mich und meine Kompanie von Anfang an unterstützt. Sie sind aufgeschlossen gewesen für jedes künstlerische Experiment und waren neugierig auf neue, innovative Formen des Tanzes. Dieser Eindruck hat sich noch mehr bestätigt mit Gründung der Tanzbiennale im Jahr 2014, wo in sehr kurzer Zeit die internationale Vielfältigkeit des Tanzes zelebriert wird. Das Heidelberger Publikum hat dieses Festival sofort in sein Herz geschlossen.
DiQ: Was sind nun Ihre Zukunftspläne? Und welche Spuren werden Sie wohl am Theater Heidelberg hinterlassen? Setzen die Tänzerinnen und Tänzer Ihrer Dance Company Ihre Arbeit fort?
NL: Ich freue mich sehr darauf, mit neuen Künstlern zu kooperieren. Es gibt einige Angebote von Festivals, Museen und Ballett-Kompanien. Ich möchte neue Formen und Facetten meiner Kunst entwickeln. Es ist schön zu wissen, dass meine Tänzer meine Handschrift durch ihre Körper weitergeben. Sie schreiben meine Arbeit wie in einem Archiv für die Zukunft fort.
DiQ: Welche besondere Erinnerung nehmen Sie aus Heidelberg mit, wenn es um den Tanz geht?
NL: Neben dem fantastischen Publikum werde ich immer auch meine Tänzer in meinem Herzen tragen. Wir haben uns gemeinsam so viel inspiriert. Ich hatte die Chance, mit so vielen jungen, talentierten Tänzern zu arbeiten. Es war jedes Mal ein sehr schöner Prozess. Ich fühle mich sehr geehrt, sie in ihrer Karriere weitergeführt zu haben.
DiQ: Und welche Orte in der Stadt – oder der Region – werden Sie besonders vermissen?
NL: Ich werde in Heidelberg vorerst wohnen bleiben, da ich die Stadt so sehr liebe. Ihre Menschen und die wunderschöne Architektur, den Fluss und die Wälder. Ich liebe es, den Tag jeden Morgen mit einem Waldlauf zu beginnen.
DiQ: Vermissen werden bestimmt die Zuschauer Sie und das Tanztheater Ihrer Prägung! Mit was werden Sie sich von Heidelberg verabschieden? Einige der erfolgreichen Produktionen werden ja jetzt noch einmal wiederaufgenommen...
NL: „Dusk“ ist meine Abschiedsproduktion. Hier soll das Heidelberger Publikum noch einmal sinnlich berührt werden. Der Tanz ist in dieser Produktion sehr zentral, seine dynamischen, aber auch fokussierten Ausdrucksmöglichkeiten. Darüber hinaus werden wir „Khôra“, „Bacon“ und „Hieronymus B.“ noch einmal zeigen, Letzteres auf Gastspielen in der näheren Umgebung. Jede Produktion ist in ihrer sinnlichen, kompositorischen und interdisziplinären Kreation einmalig. Die Zuschauer sind herzlich eingeladen, diese ästhetische Bandbreite zu erleben.
DiQ Wir haben gehört, Sie planen für die Zukunft nur noch Gastspiele – stimmt das oder wird es auch wieder ein festes Engagement geben?
NL: Ich werde zukünftig nicht nur Gastspiele produzieren. Ich kollaboriere vor allem mit Festivals und Tanzkompanien. Ein festes Engagement würde ich bei passendem Angebot aber nicht ausschließen.
DiQ: Die Tanzbiennale steht im Februar und März auch wieder an – inwieweit wird diese von Ihrem Abschied geprägt sein?
NL: Wir haben ein sehr spannendes Programm mit lokalen, nationalen und internationalen Künstlern. Ich wünsche mir in erster Linie, dass der Tanz in all seiner Vielfältigkeit im Mittelpunkt steht.