Club & Pop
Ella & Louis – Mannheims Live-Jazz-Club
Jazz kann vieles sein: leise und intim, groovend und tanzbar oder so überraschend, dass man plötzlich vergisst, dass man eigentlich „nur“ zu einem Konzert gekommen ist. Das neue Programm des Ella & Louis zeigt einmal mehr, wie weit das musikalische Spektrum des Mannheimer Clubs reicht: Im Oktober treffen unter anderem brasilianischer Vocal Jazz, Coltrane, Blues, Funk, Soul und Singer-Songwriter aufeinander. Was hinter dieser stilistischen Vielfalt steckt, welche Abende Thomas Siffling besonders ans Herz legt und was das Ella & Louis als Club ausmacht, verrät der Geschäftsführer im Gespräch.
Delta im Quadrat, Tim Fischer: Wenn man einen Blick auf das Oktoberprogramm wirft, könnte man fast meinen, das Ella & Louis wolle sich nicht auf einen einzigen Jazz-Geschmack festlegen: Von brasilianischem Vocal Jazz über Coltrane und Blues bis hin zu Hattler und einem Grammy-prämierten US-Star ist alles dabei. Wie viel Bauchgefühl steckt in der Programmplanung – und wie viel strategisches Kuratieren?
Thomas Siffling: Es ist sicherlich eine gesunde Mischung aus Erfahrung, Bauchgefühl und Strategie. Eine ausgewogene Zusammenstellung des Programms ist wichtig, um möglichst viele Geschmäcker anzusprechen und vor allem der Vielseitigkeit des Genres Jazz gerecht zu werden. Über allem stehen aber immer die Nachvollziehbarkeit und Emotionalität der auftretenden Künstler*innen. Wir wollen Lust auf das Live-Erlebnis machen und nicht verschrecken.
DiQ: Das Ella & Louis bringt regelmäßig große Namen mit spannenden Entdeckungen und neuen Talenten zusammen. Was muss eine Künstlerin oder ein Künstler mitbringen, damit du sagst: „Die oder den möchte ich unbedingt unserem Publikum vorstellen!“?
TS: Eine gute Bühnenpräsenz ist neben dem vorausgesetzten musikalischen Können sicherlich eine der wichtigsten Eigenschaften. Künstler*innen, die eine gewisse Aura oder das gewisse Extra versprühen, erreichen ihr Publikum auf einer ganz anderen emotionalen Ebene. Dann können wirklich magische Abende entstehen. Natürlich ist im Gesamtkontext auch immer mal die eine oder andere Programmierung dabei, die vielleicht ein eher kleineres Publikum anspricht. Aber das ist für unseren künstlerischen Anspruch wichtig und gehört zu einem Jazzclub auch dazu. Den Geschmack des Publikums zu treffen, ist ja ohnehin nicht immer einfach...
DiQ: Gerade im Oktober gibt es einige Konzerte, bei denen man vermutlich nicht lange überlegen sollte, etwa Nicole Zuraitis, Sydney Ellis, Hattler oder das Coltrane-Tribute. Wenn du für jemanden, der noch nie im Ella & Louis war, genau einen Abend aus dem neuen Programm auswählen müsstest: Welchen würdest du empfehlen und warum?
TS: Alle sind höchst hörenswert und großartig!. Aber Nicole Zuraitis sticht da sicherlich etwas hervor. Wir hatten sie letztes Jahr zum ersten Mal bei uns zu Gast. Mit ihrer großen Herzlichkeit, ihrer Emotionalität, ihrem Charme und ihrer fantastischen Stimme hat sie uns alle nachhaltig begeistert und zu Fans gemacht. Aber es ist natürlich immer schwierig, jemanden hervorzuheben, weil ich alle Künstlerinnen und Künstler gleichermaßen mag und schätze.
DiQ: Der Vorverkauf für die kommende Spielzeit läuft bereits bis weit in den Herbst hinein. Ist Jazz eigentlich ein Genre, für das man sich spontan begeistern lässt, oder braucht es manchmal einen kleinen Schubs, damit aus „Kenne ich nicht“ ein „Warum war ich da eigentlich noch nie?“ wird? Und was kann ein Club tun, um genau diesen ersten Schritt leichter zu machen?
TS: Ein gutes Thema. Unser Antrieb war schon seit Beginn, neugierig auf dieses tolle Genre Jazz mit all seinen Facetten zu machen. Das Ella & Louis ist ein Club, in dem man sich wohlfühlen, ein gutes Gläschen Wein trinken und sich mit netten Menschen austauschen kann. Dazu kommt das Hautnah-Feeling, bei dem man quasi auf dem Schoß der Künstlerinnen und Künstler sitzt und dadurch einen ganz besonderen Bezug zur Musik bekommt. Das alles trägt dazu bei, die Hemmschwelle möglichst niedrig zu halten. Wir wollen mit der Art von Jazz, die wir präsentieren, neugierig machen und nicht verschrecken. Bei uns ist Jazz nachvollziehbar, nahbar, emotional und verständlich – eher aus dem Bauch heraus als zu verkopft. Ein Versuch ist es also auf jeden Fall wert!
DiQ: Du bist selbst Musiker, Kurator und seit Jahren eine prägende Figur hinter dem Ella & Louis. Wenn du heute einmal einen Abend lang nicht der Programmchef wärst, sondern einfach als Gast im Publikum sitzen könntest: Was müsste auf der Bühne passieren, damit du am Ende nach Hause gehst und denkst: „Genau dafür gibt es diesen Club“?
TS: Oh, da ist, glaube ich, eigentlich schon alles gesagt. Ich will emotional mitgenommen werden. Mitgenommen auf eine musikalische Reise, als kurze Auszeit aus dem Alltag. Ich will unterhalten, informiert und ein Stück weit an die Hand genommen werden. Ich will das Gefühl haben, mitwippen, mittanzen oder mitgrooven zu wollen. Dann ist es ein erfüllender Abend für mich – und genau das erlebe ich tatsächlich bei fast jedem Konzert im Club. Musik kann so viel Energie und Emotionen freisetzen und uns auch geistig auf ganz neue Ebenen bringen. Eine wirklich schöne Kunstform, wie ich finde.