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Club & Pop

IG Jazz Rhein-Neckar feiert 40. Geburtstag

Die „Interessensgemeinschaft Jazz“ besteht als gemeinnütziger Verein schon seit 1986 und hat sich seitdem mit der Durchführung und Organisation von Konzerten auch weit über die Rhein-Neckar-Region einen Namen gemacht. Doch die IG Jazz ist auch kulturpolitisch und setzt sich für die Interessen der Jazzmusiker in der Region ein. Wir haben mit dem Vorstandsmitglied Daniel Prandl über die Jazz-Szene in der Region gesprochen.

Delta im Quadrat: Die IG Jazz Rhein-Neckar prägt seit 40 Jahren die regionale Szene – was macht den Verein aus Ihrer Sicht heute noch genauso relevant wie damals?

Daniel Prandl: Da würde ich zwei Arten von Relevanz unterscheiden. Zum einen für die Musikszene selbst: Hier schaffen wir im Rahmen der „Tuezzday Jazzkonzerte“ und der Sessions Auftritts- und Austauschmöglichkeiten für die regionale Szene. Seit Jahrzehnten sind aber auch gerade die Sessions am Montag der Treffpunkt schlechthin für Musikerinnen und Musiker des Mannheimer Raums. Aber natürlich entsteht Relevanz zum anderen nicht ohne eine gewisse Außenwirkung. Deshalb freue ich mich, dass wir mittlerweile wieder recht gut besuchte Konzerte im Rampenlicht im Capitol haben. Darüber hinaus gibt es Kooperationen mit der Musikschule für unseren Workshop zwischen den Jahren und aktuell drei Amateursessions pro Jahr. Mit der IG Jazz Stuttgart führen wir seit diesem Jahr zweimal jährlich ein gemeinsames Konzertprojekt durch und zuletzt fanden zwei große Bigband-Events in Kooperation mit dem Kulturhaus Käfertal statt.

DiQ: Mit den genannten Formaten wie Workshops und Sessions schafft die IG Jazz Plattformen für Austausch und Nachwuchsförderung – wie wichtig ist diese Arbeit aktuell für die Zukunft der Jazzszene?

DP: Wenn ich mich an meine Zeit vor und während des Studiums erinnere, waren es immer die Sessions und Workshops, die mich maßgeblich vorangebracht haben. In diesem Zusammenhang kann man nicht oft genug darauf hinweisen, dass man Jazz nicht nur im „Übezimmer“ und Instrumentalunterricht erlernen kann, sondern das Zusammenspiel mit anderen eine notwendige Bedingung dafür ist. Schließlich wird man auch eine Sprache nur in der Kommunikation mit anderen wirklich erlernen können und die Sprachähnlichkeit von Musik und gerade von improvisierter Musik ist ja hinlänglich belegt. Von daher sind diese Formate nötige Voraussetzung für eine lebendige Jazzszene auch in der Zukunft.

DiQ: Sie sind nicht nur Vorsitzender, sondern auch aktiver Musiker. Wie beeinflusst Ihre eigene künstlerische Arbeit Ihre Entscheidungen für die IG Jazz?

DP: Ehrlich gesagt versuche ich, das klar zu trennen, denn ich sehe die konkrete Gefahr, hier zu sehr eigene künstlerische Vorstellungen durchzusetzen. Das wäre dann aber nicht mehr im Sinne einer Interessenvertretung für eine doch sehr diverse Szene.

DiQ: Jazz hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert – wie beobachten Sie die Entwicklung zwischen Tradition und neuen Einflüssen, gerade auch in der Rhein-Neckar-Region?

DP: Veränderung ist integraler Bestandteil der Musik, so auch im Jazz. Gleichzeitig verschwinden die älteren Spielarten nicht vollständig – manches kommt wieder in Mode, anderes wird kanonisch. Das Problem ist sicher, dass dadurch der Begriff „Jazz“ nicht sehr trennscharf verwendet werden kann und viele Leute keine klare Vorstellung haben, was sie sich darunter vorstellen sollen. Aber das macht gleichzeitig den Reiz dieses sehr hybriden Genres aus. Und auch in der Region wird man Musikerinnen und Musiker sowie Ensembles finden, die von klassischem Swing bis Avantgarde und alles dazwischen spielen.

DiQ: Wenn Sie an die nächsten 40 Jahre denken: Welche Vision haben Sie für die IG Jazz und die Rolle von Mannheim als Jazzstandort?

DP: Aktuell denke ich, die IG Jazz muss sich vor allem weiter als fester Bestandteil in der regionalen Kulturlandschaft etablieren und ihre Relevanz für die Stadtgesellschaft ausbauen. In der aktuell angespannten Finanzlage der Kommunen kann man zwar mit Recht immer auf die Notwendigkeit kultureller Förderung hinweisen, aber ich sehe da schon auch eine Bringschuld unsererseits, das kulturelle Leben zu bereichern, interessante Angebote zu schaffen und noch mehr mit anderen Institutionen zu kooperieren. Mannheim gehört nach meiner Meinung zu den interessantesten Jazzstandorten in Deutschland: Es gibt eine rege und offene Szene, dazu bringt die Musikhochschule konstant neue Talente in die Stadt, von denen sich auch einige nach Studienabschluss hier niederlassen. Angesichts der Größe der Stadt existieren zahlreiche Auftrittsmöglichkeiten in Veranstaltungsorten und Arbeitsmöglichkeiten an Theatern und Musikschulen in Mannheim und auch dem Umland. Wenn man dann noch bedenkt, wie viele größere Städte in ein bis zwei Stunden erreichbar sind, ergibt sich das Bild einer richtig guten Basis für professionelle Musikerinnen und Musiker. 40 Jahre sind vielleicht ein etwas großes Zeitfenster, aber zumindest auf die nächsten Jahre sehe ich, trotz aller realen Probleme des Kulturbetriebs, nicht, dass sich der Standort im Vergleich zu anderen drastisch verschlechtern wird. Dass wir in Mannheim stolz auf ein reichhaltiges Kulturangebot sein können, ist vielleicht noch etwas, das mehr ins Bewusstsein gebracht werden kann. Schwierige Zeiten für die Kulturförderung, wie wir sie gerade erleben, sind für so eine Botschaft wahrscheinlich genau richtig.

 


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