Leben im Delta
Hörmanufaktur Schuster – wenn Hören zur Handwerkskunst wird
Jonathan Schuster hat sich einen Traum erfüllt: Mit der Hörmanufaktur Schuster in Heidelberg-Ziegelhausen betreibt der erfahrene Hörakustiker seit knapp drei Jahren sein eigenes Fachgeschäft in Heidelberg. Im Interview erzählt er, was sein Unternehmen von der Konkurrenz abhebt und warum maßgefertigte Ohrpassstücke so wichtig sind wie gute Reifen am Auto.
Delta im Quadrat: Herr Schuster, vor knapp drei Jahren haben Sie die Hörmanufaktur Schuster in Heidelberg gegründet. Was war Ihre Motivation, ein eigenes Fachgeschäft für Hörakustik zu eröffnen?
Jonathan Schuster: Nach mehreren Jahren als Filialleiter für verschiedene Hörakustikunternehmen reifte in mir der Wunsch, meine Erfahrung und mein Wissen meinen Mitmenschen im eigenen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Ich kann dadurch nun wesentlich schneller und auch unabhängiger agieren und so für jede einzelne Kundenanforderung die bestmögliche Hörlösung bieten – egal wie individuell diese auch sein mag.
DiQ: Ihr Unternehmen bietet sowohl Hinter-dem-Ohr- (HdO) als auch im-Ohr- (iO) Hörgeräte an. Welche Unterschiede bestehen zwischen diesen beiden Typen und für welche Hörbedürfnisse eignen sie sich jeweils am besten?
JS: Beide Bauformen bieten jeweils eigene Vor- und Nachteile. Grundsätzlich verschieden ist der Ort der Schallaufnahme. Während sich bei HdO-Hörgeräten die Mikrofone hinter der Ohrmuschel befinden, wird der Schall bei iO-Hörgeräten am oder im Gehörgang aufgenommen. Der Vorteil dabei ist, dass die Funktionen der Ohrmuschel zum individuellen Richtungshören sowie zur Schallaufnahme und -bündelung erhalten bleiben. Die passende Ohrform und das passende Gehör vorausgesetzt, können iO-Geräte sehr unauffällig und beinahe unsichtbar getragen werden. Sie verfügen heutzutage häufig über Akkus und sind daher hinsichtlich der Bedienung und Handhabung sehr zu empfehlen. Bei den HdO-Geräten gibt es zwei unterschiedliche Systeme: entweder mit Schallschlauchsystem oder mit dünnem Draht und ausgelagertem Hörer. Beide Varianten sind heutzutage teilweise nur noch mit Akku erhältlich. Das bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. Beispielsweise muss man keine Batterien nachkaufen und der häufig eher fummelige Batteriewechsel entfällt. Zudem müssen keine Batterien mitgeführt werden, wenn man unterwegs ist. Einer der größten Vorteile von Hörgeräten mit Akku: Das Ein- und Ausschalten erfolgt vollautomatisch. Des Weiteren verfügen die meisten HdO-Hörgeräte über Bluetooth. Dadurch können das Hören und Verstehen beim Telefonieren, das Hören von Audio-Inhalten am Smartphone wie etwa Hörbücher oder Musik oder auch das Hören beim Fernsehen enorm verbessert werden. Ein Nachteil von HdO-Hörsystemen kann die Kosmetik sein, wobei dies insbesondere bei den Systemen mit ausgelagertem Hörer sehr unauffällig gestaltet werden kann. Außerdem punkten sie mit größerer Robustheit und meist besserer Konnektivität gegenüber ihren kleineren Geschwistern der iO-Hörgeräte.
DiQ: Ein besonderes Merkmal Ihrer Hörgeräteanpassung ist das aurelia-Anpassverfahren. Können Sie uns erläutern, wie dieses Verfahren funktioniert und welche Vorteile es für die Kunden bietet?
JS: Bei aurelia handelt es sich um ein patentiertes Anpassverfahren, das in Heidelberg einzigartig ist und das wir bei jedem auf dem Markt befindlichen Hörsystem anwenden können. Damit ist es möglich, das subjektive Hörempfinden jedes einzelnen Kunden und jeder Kundin in die Hörgeräteeinstellung mit einfließen zu lassen. Dadurch stellen wir sicher, dass das Hören einer Person mit Hörminderung insgesamt möglichst nah an jenes einer normalhörenden Person heranreicht. Erzielt wird dies durch den Abgleich verschiedener Rauschsignale in den vom Hörsystem übertragbaren Frequenzbereichen. Dieser Abgleich wird nacheinander zuerst für eine Seite und dann auch für das Ohr der anderen Seite durchgeführt. Das Ergebnis kann sich hören lassen: ein rundum auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmtes Hörerlebnis. Die Anpassung mittels aurelia ist bei allen Hörsystemversorgungen in unserem Haus inklusive und kann auf Wunsch auch bei Geräten Anwendung finden, welche nicht bei uns erworben wurden.
DiQ: Neben der Hörgeräteanpassung bieten Sie auch maßgefertigte Ohrpassstücke an. Wie tragen diese zur Verbesserung des Hörgenusses bei und was macht ihre maßgeschneiderte Fertigung aus?
JS: Sehr häufig finden sogenannte „Schirmchen“ Anwendung in der Hörgeräteanpassung. Aber: was hervorragende Reifen mit gutem Profil beim Auto sind, das sind maßgefertigte Ohrpassstücke für Hörgeräte. So wie durch abgefahrene oder etwa schlechte Reifen ein Durchdrehen der Räder bei größerer Kraftübertragung unumgänglich ist, so geht ein Großteil an Leistungsfähigkeit der Hörgeräte ohne Ohrpassstücke verloren. Damit die ganze Kraft des Autos auf die Straße kommt, benötigt es gute Reifen. Ebenso wichtig sind Ohrpassstücke für ein bestmögliches Sprachverstehen und eine möglichst gute Ankopplung der Hörgeräte ans Ohr. Des Weiteren bieten sie einen hohen Tragekomfort und die optimale Haltgebung. Jedes Ohr ist ein Unikat – genauso wie das zugehörige Ohrpassstück.
DiQ: Welche weiteren Dienstleistungen und Produkte bietet die Hörmanufaktur Schuster an, um das Hörerlebnis Ihrer Kunden zu optimieren?
JS: Neben der Hörgeräteversorgung an sich bieten wir auch Zubehör an. Dies reicht von Hörgerätebatterien über Reinigungs- und Trockensysteme bis hin zu Fernsehkopfhörern. Des Weiteren bieten wir auch Prävention in Form von Hörschutz an. Insbesondere maßgefertigter Hörschutz bietet ein großes Plus an Komfort mit perfektem Sitz. Egal ob zum Schlafen, beim Schwimmen als Spritzwasserschutz, gegen Lärm bei der Arbeit oder für Musiker oder Konzertbesucher, für jeden Anwendungsfall haben wir das richtige Produkt. Zum Schluss runden maßgefertigte In-ear-Kopfhörer für Musiker, Musikliebhaber und Gamer unser Portfolio ab.