Leben im Delta
Katharina Breier: „In vertrauensvoller Atmosphäre lässt sich freier arbeiten“
Rund um unser Schwerpunktthema „Frauen im Delta“ konnten wir auch Katharina Breier zwei Fragen stellen. Sie ist Schauspielerin am Jungen Nationaltheater (JNTM), Mutter von zwei Kindern und Feministin.
DiQ: Welche besonderen Chancen oder auch Hürden haben Sie auf Ihrem Weg als Frau erlebt und welche Haltung hat Ihnen geholfen, dranzubleiben?
Katharina Breier: In meiner Ausbildung und meinen ersten Berufsjahren hatte ich sehr mit den eingeschränkten Rollen(-bildern) für Frauen zu kämpfen. Also erst mal damit, überhaupt zu bemerken, wie viele Stereotype selbstverständlich miterzählt werden, wie häufig nur Männer Subjekte in den Geschichten sind und Frauen in Abhängigkeit zu ihnen stehen oder nur die männliche Sichtweise vorkommt. Und dann, einen Umgang damit zu finden. Zum Glück hat sich da mittlerweile viel getan. Außerdem ist es zu einem wichtigen Bestandteil meiner Arbeit in Probenprozessen geworden, gemeinsam mit den anderen Beteiligten über genau diese Themen zu sprechen und die Rollen, die Geschichten und unsere Position als Spielerinnen und Schauspieler danach zu befragen.
DiQ: Welche Entscheidung oder Lernmoment war für Ihre persönliche oder
unternehmerische Entwicklung besonders prägend?
KB: Als Schauspielerin kann man sich schnell mal alleine fühlen, als Einzelkämpferin, in Konkurrenz zu den anderen. In meiner Anfangszeit habe ich gleich an mir und meinen Fähigkeiten gezweifelt, wenn in einer Probenphase etwas schwierig wurde. Mit der Zeit habe ich herausgefunden, dass es auch anderen so geht. In unserem jetzigen Ensemble verstehen wir uns sehr als Team und arbeiten daran, besonders während den Probenphasen, im Austausch zu bleiben. Aber auch, darauf zu achten, wie es uns geht, uns zu unterstützen, wenn es Herausforderungen gibt, Fragen und Schwierigkeiten offen anzusprechen und wertschätzend Lösungen zu suchen. In so einer vertrauensvollen Atmosphäre lässt es sich viel freier und kreativer arbeiten.