Leben im Delta
Melanie Brill: „Bleib Dir selbst treu“
Wir sprachen mit Melanie Brill, CEO von TWL-KOM, einem IT-Unternehmen aus Ludwigshafen, über ihre Erfahrungen als Frau in einer Führungsposition und was sie täglich antreibt. Energie findet sie abseits des Business beim Bereisen spannender Länder und beim Entdecken neuer Kulturen sowie in der Natur mit ihrem Mann und zwei Töchtern.
DiQ: Welche besonderen Chancen oder auch Hürden haben Sie auf Ihrem Weg als Frau erlebt und welche Haltung hat Ihnen geholfen, dranzubleiben?
Melanie Brill: Auf meinem Weg habe ich viele Chancen erlebt, aber auch Hürden, die weniger mit Kompetenz als mit überholten Rollenbildern zu tun hatten. Es ist nach wie vor nicht selbstverständlich, dass eine Frau als Mutter in Vollzeit eine Geschäftsführungsrolle übernimmt. Dabei gibt es Erwartungen – teils unausgesprochen, teils ganz offen – denen Männer in vergleichbaren Positionen kaum begegnen. Gleichzeitig wirken diese Rollenbilder auch in die andere Richtung: Männer, die Verantwortung in der Familie übernehmen wollen, stoßen häufig auf ähnliche Grenzen. Was mich antreibt, ist der Wunsch, für meine Kinder ein Vorbild zu sein. Ich möchte ihnen zeigen, dass Verantwortung, berufliche Erfüllung und Familie kein Widerspruch sind. Und ich möchte dazu beitragen, den Weg zu ebnen, damit es die nächste Generation einfacher hat, damit sie sich nicht mehr in stereotypischen Rollenbildern verorten oder rechtfertigen muss. Damit sie wählen können, wer sie sein möchten. Man darf seinen eigenen Weg gehen, auch wenn er nicht dem Bild entspricht, das in vielen Köpfen noch immer verankert ist. Gleichzeitig möchte ich vorleben, dass es in Ordnung ist, glücklich zu sein und, dass Erfolg nicht nur an Titeln oder Erwartungen gemessen wird, sondern auch an Zufriedenheit, Sinn und innerer Balance. Die Haltung, die mir geholfen hat dranzubleiben, ist Klarheit – über meine Werte und über das, was mir wichtig ist. Ich habe gelernt, mich nicht zu rechtfertigen, sondern selbstbewusst für meine Entscheidungen einzustehen. Veränderung beginnt dort, wo wir sichtbar machen, dass Vielfalt an Lebensmodellen nicht die Ausnahme, sondern eine Stärke ist.
DiQ: Welche Entscheidung oder welches Lernmoment war für Ihre persönliche oder unternehmerische Entwicklung besonders prägend?
MB: Ein prägendes Lernmoment war für mich die bewusste Entscheidung, Verantwortung nicht allein zu tragen, sondern gemeinsam zu gestalten. Gerade in komplexen Situationen zeigt sich, wie wichtig Vertrauen und ein starkes Miteinander sind. Ich habe gelernt, dass gute Führung bedeutet, Raum für Verantwortung zu schaffen und unterschiedliche Perspektiven bewusst einzubeziehen. Diese Haltung hat nicht nur meine persönliche Entwicklung geprägt, sondern auch die Zusammenarbeit bei TWL-KOM nachhaltig beeinflusst. Sie fördert Eigenverantwortung, Weiterentwicklung und eine Kultur, in der gemeinsames Gestalten im Mittelpunkt steht.
DiQ: Wer in unserer Region eine Idee hat und sie in ein erfolgreiches Projekt verwandeln möchte, kann viel von Ihrer Erfahrung lernen: Welche drei Dinge würden Sie Menschen mitgeben, die gerade am Anfang stehen?
MB: Fang an, auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Viele Ideen scheitern nicht am Inhalt, sondern daran, dass man zu lange wartet. Entwicklung entsteht durchs Machen. Umgib dich mit Menschen, die dich fachlich und menschlich ergänzen. Erfolg ist kein Einzelprojekt, sondern das Ergebnis guter Zusammenarbeit. Gerade diverse Teams machen Projekte robuster und Entscheidungen besser. Und zuletzt: Bleib dir selbst treu, auch wenn es unbequem wird. Nicht jede Entscheidung wird sofort verstanden oder bestätigt. Eine klare Haltung und Durchhaltevermögen sind oft entscheidender als schnelle Erfolge.
DiQ: Was treibt Sie heute an – und was gibt Ihnen Energie, sich weiterhin mit voller Überzeugung für Ihr Projekt einzusetzen?
MB: Mich treibt an, wenn Zusammenarbeit wirklich funktioniert. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven gemeinsam Verantwortung übernehmen und daraus Lösungen entstehen, die tragen und echten Mehrwert schaffen – für Unternehmen, für Teams und für die Region. Besonders motiviert mich die Entwicklung von Menschen: Wenn ich sehe, wie Potenziale wachsen, wie jemand den Schritt aus der Komfortzone wagt und daran stärker wird. Dieses bewusste Fördern, Fordern und Vertrauen sind für mich zentrale Elemente von guter Führung. Meine Energie ziehe ich aus dem Blick nach vorne und aus der Überzeugung, dass Veränderung möglich ist – auch dann, wenn sie Zeit braucht. Zu erleben, wie sich ein Unternehmen weiterentwickelt, wie neue Haltungen entstehen und Veränderungen nach innen wie nach außen spürbar werden, ist für mich ein großer Antrieb. Entwicklung zeigt sich nicht immer sofort, aber zu wissen, wofür man arbeitet, gibt mir die Kraft, diesen Weg konsequent weiterzugehen.