NAVIGATION

Zurück

Leben im Delta

Schatzsuche mit Mehrwert: Das Markthaus Mannheim

Man geht nur mal kurz schauen – und kommt mit einer Vase, einer Schallplatte oder dem lang gesuchten Lieblingsstück wieder heraus. Genau dieser Überraschungsmoment gehört zum besonderen Reiz des Markthauses: Das Sortiment verändert sich ständig und macht jeden Besuch ein bisschen zur Schatzsuche. Gleichzeitig verbindet das Markthaus Secondhand mit gelebter Inklusion. „Delta im Quadrat“ hat mit Henrike Zeilfelder, Geschäftsführung des Markthauses Mannheim, darüber gesprochen, was einen guten Fund ausmacht, wie aus Neugier echte Kundschaft wird und warum sich ein Abstecher ins Markthaus öfter lohnt, als man zunächst denkt.

Delta im Quadrat, Tim Fischer: Im Markthaus weiß man eigentlich nie genau, was einem beim nächsten Besuch über den Weg läuft – und genau das scheint ein Teil des Reizes zu sein. Wie wird aus „Ich schaue nur mal kurz“ ein Besuch, bei dem jemand plötzlich mit einer alten Schallplatte, einem Vintage-Sessel oder dem perfekten Kleid nach Hause geht?

Henrike Zeilfelder: In unseren beiden Läden in Neckarau und in der City bieten wir eine große, täglich neue Vielfalt an unterschiedlichen Dingen, von Kleidung über Möbel und Bücher bis zu Spielzeug, Deko und Haushaltsgegenständen. Wir möchten damit die Lust wecken, den ganzen Laden zu entdecken, dann finden sich die passenden Lieblingsstücke fast von allein. Man könnte sagen, es ist eine Art Entdeckertour mit Schatzsuche, ein bisschen Glück gehört natürlich dazu. Anbieten können wir immer nur, was wir vorher gespendet bekommen haben.

DiQ: Secondhand lebt vom Überraschungsmoment. Gibt es aus deiner Sicht so etwas wie den typischen Markthaus-Glücksgriff? Und welche Fundstücke sorgen bei eurem Team selbst für leuchtende Augen?

HZ: Für Überraschung und Begeisterung sorgen zum Beispiel Taschenbücher, die an die Kindheit erinnern, Kleidungsstücke, die man zwar nicht gesucht, aber gefunden hat, oder Schallplatten, die an besondere Momente erinnern. Manchmal ist es auch ein Möbelstück, von dem man vorher gar nicht wusste, dass man es unbedingt braucht. Ab und zu gibt es einfach das perfekte Match, und diese Momente sind gar nicht so selten.

DiQ: Ihr testet seit diesem Jahr zusätzlich den Verkauf ausgewählter Stücke über eBay, darunter besondere Einzelstücke, Designerkleidung, Porzellan oder Musikinstrumente. Ist das für euch eher der digital verlängerte Arm des Markthauses oder verändert sich dadurch auch, welche Dinge ihr für wen geeignet haltet?

HZ: Die Verkaufsmöglichkeit über eBay gibt uns die Gelegenheit, sehr spezielle Dinge deutschlandweit anzubieten. Manche Spenden sind so besonders, dass es dafür keine große Käufergruppe vor Ort gibt, dann eignet sich eine Internetplattform deutlich besser, um die richtigen Menschen zu erreichen. So können auch Leute außerhalb Mannheims an unserem breit gefächerten Angebot teilhaben.

DiQ: Beim Markthaus bekommt ein Gegenstand nicht einfach nur ein zweites Leben – mit jedem Einkauf wird gleichzeitig der Inklusionsgedanke unterstützt. Wie viel darf man den Kunden eigentlich von diesem sozialen Mehrwert erzählen, ohne dass aus dem schönen Einkauf eine „gute Tat mit Quittung“ wird? Anders gefragt: Sollte das gute Gefühl eher ein Nebeneffekt sein und die Freude am Fundstück im Vordergrund stehen?

HZ: Das schließt sich für mich überhaupt nicht aus. Unsere Kundschaft kommt vorrangig wegen des vielfältigen Angebots zu uns. Dass sie dabei ein gemeinnütziges und staatlich anerkanntes Inklusionsunternehmen unterstützen, ist für viele ein angenehmer Nebeneffekt. Viele kommen sehr regelmäßig und pflegen einen guten Kontakt zu unserem Team. Auf der Spenderseite stehen eher die Weiterverwendung der Dinge und die Unterstützung des Gemeinwohls im Vordergrund, es gibt aber auch große Schnittmengen zwischen Spendenden und Käuferschaft: Man gibt etwas ab und kauft etwas ein, so bleibt alles im Kreislauf. Für alle ist es schön zu wissen, dass sie mit dem Markthaus ein Unternehmen unterstützen, das Verantwortung für Menschen und Ressourcen übernimmt.

DiQ: Und zum Abschluss eine kleine Zeitreise: Wenn du dir für das Markthaus einen Wunschkunden für die nächsten fünf Jahre backen könntest, wer würde heute noch nicht bei euch einkaufen, sollte aber unbedingt einmal durch die Tür kommen und womit würdest du diese Person dort überraschen wollen?

HZ: Da habe ich niemanden Speziellen im Sinn, jede und jeder sollte mal bei uns reinschauen. Wir machen die Erfahrung, dass sich fast alle Menschen für mindestens eine Warenkategorie begeistern und mit Freude durch das Angebot stöbern. Wir haben schon vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert! (Fotos © Nikola Haubner, Timo Volz)


WERBUNG